Zitat: Fastenkur

Fastenkur auf morgen verschieben

„Morgen nennt man den Tag, an dem die meisten Fastenkuren beginnen.“ 

Mal schnell ´ne kleine Fastenkur?

Wer kennt es nicht? Da ist man (mal wieder) unzufrieden mit seinem äußeren Erscheinungsbild und möchte etwas verändern. Schnell kommt einem der Gedanke an eine Fastenkur oder Diät in den Sinn. Eben mal schnell die überflüssigen Kilos verlieren und sich dann endlich wohl fühlen. Anbieter, die so etwas versprechen, gibt es zu Genüge. Diese Versprechungen haben einen riesigen Ballon aufgeblasen, die den Anbietern viel Geld einbringen. Aber haben die Konsumenten etwas davon? Gibt es Diäten die funktionieren können? Oder ist es vielleicht schlauer, jede Fastenkur auf morgen zu verschieben? Weiterlesen

Dicksein in der Moderne

Dicksein in der Postmoderne

Dicksein öffnet einer der gravierendsten gesellschaftlichen Stigmatisierungen unserer postmodernen Zeit Tür und Tor. Menschen, die nicht der Gewichtsnorm entsprechen oder einen Körper haben, der anders geformt ist, als „normal“ werden von Kleinauf in Schubladen einsortiert. Obwohl wir wissenschaftlich wissen, dass Dicksein verschiedene Gründe hat – von genetischen, über psychologische bis hin zu sozio-kulturellen – wird die „Schuld“ am Dicksein meist dem Individuum zugeschrieben.  Weiterlesen

Voltaire zur Gesundheit

In der einen Hälfte unseres Lebens opfern wir die Gesundheit, um Geld zu erwerben; in der anderen opfern wir Geld, um die Gesundheit wieder zu erlangen. Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen. – Voltaire –

Voltaire zur Gesundheit

Bereits der französische Philosoph Voltaire (1694 – 1778) befasste sich mit dem Thema Gesundheit. Dabei erkannte er den Wert von Gesundheit an. Allerdings erkannte Voltaire auch die Sinnlosigkeit, die in dem Unterfangen liegt, seine Gesundheit dem Geld zu opfern. Nur, um im Anschluss das verdiente Geld zum verzweifelten Erwerben von Gesundheit wieder zu verbrauchen. Voltaire stellte zudem fest, dass während all diesem Aufwand das Leben von dannen zieht. Zu realisieren, dass Gesundheit und Leben vergehen, egal wie sehr wir uns um ihre Erhaltung bemühen, kann deprimierend sein. Aber diese Erkenntnis kann auch befreiend wirken.

Gesundheit als Imperativ

Voltaire ist seit fast 250 Jahren tot. Seit seinem Dahinscheiden hat Gesundheit einen enormen gesellschaftlichen Wertzuwachs erfahren. Denn in unserer modernen Gesellschaft ist Gesundheit zum Statussymbol avanciert. Gesellschaftliche Anerkennung wird nicht nur mit Schlankheit, sondern auch mit Gesundheit verbunden. Das Paradoxe an dieser modernen Maxime ist, dass die Fokussierung auf Gesundheit, krank macht. Warum fordert unsere Gesellschaft etwas so paradoxes ein?

Voltaire und Sterben

Vielleicht fordert unsere Gesellschaft Gesundheit deswegen so vehement ein, weil ihre Mitglieder Angst vor dem Sterben haben. Manchmal scheint es mir, als wenn die unbewusste Angst vor dem eigenen Tod eine eigene Dynamik hervorriefe. Als wollte unsere Gesellschaft den Tod so verzweifelt besiegen, dass ihre Mitglieder zunehmend vergessen zu leben. Voltaire scheint dies mit seinem letzten Satz anzudeuten:

…Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen.

Eine ergänzende Erklärung könnte der ewige Steigerungszwang der Moderne liefern. Nicht nur Wirtschaftswachstum soll unendlich sein. Mittlerweile hat der Steigerungszwang auch unser Privatleben erreicht. Was das Dogma des ewigen Steigerungszwanges im globalen Maßstab anrichtet, lässt der Klimawandel erahnen.

Wenn es aber darum geht, Gesundheit (und Schlankheit) ebenso zu maximieren wie unser Wirtschaftswachstum, was richtet der Steigerungszwang dann mit uns als Individuen an?

Wissenschaft & Ehrfurcht

Wissenschaft & Ehrfurcht

Wissenschaft und Ehrfurcht

„Die Einsichten der Wissenschaft liefern uns mehr und nicht weniger Gründe, der Natur gegenüber Ehrfurcht, Achtung und Ehrerbietung zu empfinden“

Ich finde dieses Zitat von Roger Sperry sehr gelungen. In meinen Augen spricht Sperry zwei bedeutende und aktuelle Themen an:

  1. Die Wissenschaft sollte die Welt neugierig erforschen, sie betrachten und wahrnehmen. Aber nicht allein, um die Natur zu beherrschen und sie sich untertan zu machen. Sondern auch, um sie und sich selber besser zu verstehen. Zu diesem Verstehen gehört auch, auf emotionaler Ebene zu begreifen, wie wunderbar komplex das biologische Leben ist.
  2. Im Begreifen der unfassbaren Zufälle, die unser menschliches Leben überhaupt erst bedingen und ermöglichen, bleibt nur die Möglichkeit, Ehrfurcht zu empfinden.

Roger Sperry…

… ist ein amerikanischer Neurobiologe. Für seine Forschungsarbeiten am lebendigen Gehirn erhielt er im Jahr 1981 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Roger Sperry fand heraus, dass Patienten mit schwerer Epilepsie enorm vom Durchtrennen des Gehirnbalkens profitierten. Es klingt brutal  200 Millionen Nervenfasern im Gehirn zu durchtrennen. Aber das Verfahren hat sich bis heute bewährt. In Deutschland wird die Operation ca. 12 Mal jährlich durchgeführt.

Unser Gehirn

Ehrfurcht muss Roger Sperry empfunden haben, als er herausfand, dass die zwei Gehirnhälften ziemlich unterschiedlich sind. Denn ihre Funktionen unterscheiden sich stark voneinander. Die linke Gehirnhälfte ist laut Sperry eher auf analytische und sprachliche Fähigkeiten spezialisiert. Die rechte Hemisphäre sei dagegen  eher für künstlerische Fähigkeiten und räumliches Vorstellungsvermögen verantwortlich. Außerdem kommuniziert deine linke Gehirnhälfte mit deiner rechten Körperseite und andersherum.

Wissenschaft & Ehrfurcht vor dem Gehirn

Die Forschungsarbeiten von Sperry und seinem Kollegen Gazzaniga waren vor gut 50 Jahren revolutionär. Heute sind ihre Erkenntnisse Allgemeingut der Wissenschaft. Die beiden Forscher arbeiteten lange Jahre mit ihren Split-Brain-Patient*innen und haben einige einige  Anekdoten aus diesen Tagen zu erzählen. Denn unsere Gehirnhälften können unterschiedliche Wünsche haben. Wenn die beiden nicht mehr miteinander sprechen können, holt schon mal die linke Hand ein T-Shirt aus dem Regal. Nur damit die rechte Hand es anschließend wieder auf den Boden werfen kann. Aber so witzig man diese Anekdote auch finden mag, ist es nicht umso ehrfurchtserbietender, wie dieses Organ da in unserem Kopf tagtäglich seine Arbeit erledigt?

Gesundheits-Nudging

Gesundheits-Nudging

Die Auslösereize in der Lebenswelt von Menschen zielgerichtet zu verändern, wird Nudging genannt. Übersetzt heißt „to nudge somebody“, „jemanden schubsen“. Das Konzept des Nudgings ist politisch deshalb so reizend, weil es unbewusst abläuft. Gesundheits-Nudging soll das Umfeld von Menschen strategisch so verändert werden, dass die visuelle Aufmerksamkeit auf positiv bewertete Auslösereize gelenkt wird. So werden beim Gesundheits-Nudging in Cafeterias gesundheitsförderliche Lebensmittel, wie Wasser, Gemüse, Vollkornprodukte und Obst, so platziert, dass sie den Besuchern direkt ins Auge springen. Gesüßte Getränke, Fast Food und Süßigkeiten werden hingegen außerhalb des Sichtfelds aufbewahrt. Sie können zwar weiterhin gewählt werden, müssen jedoch bewusst ausgesucht werden. Weiterlesen

Gelüste und Genüsse

Gelüste und Genüsse

Gelüste – jetzt oder nie?

In unserer modernen Leistungsgesellschaft wird von uns erwartet, dass wir unsere Gelüste und innersten Wünsche aufschieben. Wir versuchen unsere Weltreichweite stetig zu erhöhen und verzichten dadurch oftmals auf das, was wir im aktuellen Moment wollen. Aber leider heißt „später“ oftmals „nie“.
Giovanni Boccaccio, der als Schriftsteller, Dichter und Humanist der Renaissance bekannt geworden ist, scheint dieses Paradox bereits vor über 600 Jahren erkannt zu haben.  Weiterlesen

Reiz und Reaktion

Reiz und Reaktion

Viktor Frankl war ein österreichischer Psychiater und Auschwitz-Überlebender. Weil er Jude war, verbrachte Frankl mehrere Jahre als Gefangener in unterschiedlichen Konzentrationslagern. Dabei muss er Leid erlitten haben, dessen Ausmaß für dich und mich unvorstellbar erscheinen muss. Das Besondere an Viktor Frankl ist nicht nur, dass er die jahrelangen Misshandlungen, den Hunger und das menschliche Elend in den Konzentrationslagern überlebte. Das wahrlich Besondere an Frankl ist etwas, was wir heute als Resilienz bezeichnen. Denn er überlebte die jahrelange Gefangenschaft nicht nur. Er entwickelte durch und mit diesen Erfahrungen eine eigene Therapieform, die Logotherapie. Laut Frankl gibt es zwischen Reiz und Reaktion einen Raum. In diesem Raum sieht er das Potenzial des Menschen Sinn zu finden und sein Leben zu gestalten. Weiterlesen

Selbstdisziplin beim Abnehmen

Selbstdisziplin beim Abnehmen

Selbstdisziplin?

Die landläufige Meinung beim Thema Abnehmen ist, dass Selbstdisziplin der Schlüssel sei. Wir schreiben Individuen die Verantwortung dafür zu, dass sie sich „besser disziplinieren“ sollten um so ihre Ziele zu erreichen.
Ich möchte überhaupt nicht bestreiten, dass Disziplin eine wichtige und lohnenswerte Fähigkeit ist. Es ergibt Sinn sich damit auseinanderzusetzen, wie Disziplin neurologisch funktioniert und wie wir unsere Disziplin trainieren können. Ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung ist unabdingbar, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen. Aber Selbstdisziplin hat ihre Grenzen. Doch, wie funktioniert Selbstdisziplin eigentlich?  Weiterlesen

Zeit gönnen zum Genießen

Zeit gönnen zum Genießen

Zeit gönnen zum Genießen

Es ist gar nicht so leicht, beim Versuch seinen Weg im Leben zu finden, seine Bedürfnisse nicht zu vergessen. In der individualisierten Welt des mitteleuropäischen 21. Jahrhunderts muss jede und jeder etwas Besonderes sein. Wer es nicht schafft, sich von seinen Mitmenschen abzuheben, geht in der grauen Masse unter. Ein Kapitalverbrechen im Auge des Individualismus. Viele Menschen glauben daher in Zeiten der Aufklärung, dass sie reich, berühmt und natürlich schlank sein müssten, um einen Wert als Mensch zu haben. Dabei bleibt oft auf der Strecke, uns die Zeit zum Genießen zu gönnen. Die Autorin Marie von Ebner-Eschenbach scheint diesen Trend bereits im 19 Jahrhundert erkannt zu haben. Ihre Beobachtungen zeigen sich in folgendem Zitat:

Menschen, die nach immer größerem Reichtum jagen, ohne sich jemals Zeit zu gönnen, ihn zu genießen, sind wie Hungrige, die immerfort kochen, sich aber nie, zu Tisch setzen.

Marie von Ebner-Eschenbach

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Leidenschaften vs. Vernunft

Leidenschaften vs. Vernunft

„Die Vernunft ist und sollte auch nur Sklave der Leidenschaften sein, und sie kann nie zu einer anderen Aufgabe herangezogen werden als ihnen zu dienen und zu gehorchen.“ -David Hume

Leidenschaften oder Vernunft – das ist hier die Frage. Passt das moderne Menschenbild des „Homo Öconomicus“ auf die menschliche Natur? Oder ist es an der Zeit, dieses platonische Menschenbild zu begraben und durch eine lustvollere, leidenschaftliche Philosophie zu ersetzen?

Im heutigen Blogbeitrag beschäftigen wir uns mit der Idee, dass unsere Leidenschaften das eigentliche Primat des Lebens sein könnten. Vielleicht lagen David Hume und Epikur mit einigen ihrer Betrachtungen näher an der Realität als Platon, dessen Philosophie sich bei uns in Mittel- und Westeuropa durchgesetzt hat.

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