Muss ich meinen Körper lieben? Vom Gebot der Body Positivity zum Recht auf Ambivalenz
„Stell dich vor den Spiegel und sag deinem Körper drei freundliche Sätze“ – Katrin hat die Übung wochenlang gemacht und kam sich dabei vor wie eine Lügnerin. Ihr Satz aus der Beratung: „Früher habe ich es nicht geschafft, dünn zu sein. Jetzt schaffe ich es nicht einmal, mich schön zu finden.“ Wie konnte ein Gefühl zur Aufgabe werden? Über die Karriere dreier Parolen – Liebe deinen Körper! Lass ihn dir egal sein! Verkleinere ihn! –, die einander widersprechen und doch denselben Satzbau teilen. Über Helmuth Plessner, der wusste, warum das Verhältnis zum eigenen Körper so vertrackt ist: Wir sind ein Leib und haben einen Körper, und diese Doppelstellung lässt sich nicht kündigen, nur bewohnen. Und über das realistischste Ziel, das eine lange Beziehung kennt: kein Gebot der Selbstliebe, sondern ein Recht auf Ambivalenz.
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