Wer deckt den Tisch? Essen und soziale Ungleichheit
Im Frühjahr 2018 habe ich eine Woche lang von 4,83 Euro am Tag gegessen – und den Versuch für bestanden gehalten. Acht Jahre später nehme ich zwei Sätze von damals zurück. Denn die „Besser leben“-Reihe endete mit einer Frage, die seither auf ihre Einlösung wartet: Welche Tische decken wir als Gesellschaft, und für wen bleibt der Tisch leer? Dieser Essay ist die Antwort, so weit ich sie geben kann. Über 6,51 Euro am Tag und ein Budget ohne Fehlertoleranz; über Wartelisten für gespendetes Essen; über die dritte Währung des Tisches, die Zeit; über Pierre Bourdieus Entdeckung, dass Geschmack einverleibte Klassenlage ist – und über den Moment, in dem eine Kultur aus Kaufkraft Charakter macht. Der schwerste Text dieses Blogs. Und der, der am längsten überfällig war.
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