Warum Einsicht nicht reicht: Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten
„Ich verstehe mich inzwischen ziemlich gut. Aber es ändert nichts.“ Kaum eine Erfahrung ist in der Praxis häufiger – und kaum eine wird härter gegen sich selbst gewendet. Dabei hat Freud die Lücke zwischen Verstehen und Verändern schon 1914 vermessen, in einem Text von gut zehn Seiten: Wir erinnern das Entscheidende nicht, wir wiederholen es – „als Tat“, ohne zu wissen, dass wir wiederholen. Und weil das Muster keine Geschichte ist, sondern eine aktuelle Macht, richtet die beste Erklärung gegen den abendlichen Griff zur Schublade so wenig aus wie ein Wetterbericht gegen den Regen. Was stattdessen verändert, trägt den unscheinbarsten Namen der Psychoanalyse: Durcharbeiten. Über die Arbeit nach der Einsicht, das Zwischenreich der therapeutischen Beziehung – und darüber, wie dasselbe Tun ein anderes wird.
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