Resonanz lässt sich nicht bestellen
Ein Jahr ist vergangen – ein Jahr, in dem Jonas und ich uns alle zwei Wochen gegenübersaßen, meist über ganz andere Themen als Ernährung. In unserer letzten Stunde erzählt er mir von seinem Küchentisch: Die Uhr liegt in der Schublade. „Ich messe noch manches. Aber ich frage jetzt zuerst: wofür.“ Der Schlussstein der Reihe handelt vom vierten und ältesten der großen Versprechen – nicht länger, nicht genauer, nicht ruhiger, sondern bewusster zu leben – und davon, warum es das tückischste ist: weil „achtsam genießen“, sobald es zur Disziplin wird, nur die letzte Optimierungsschleife ist. Über die Vereinnahmung des Genusses von Slow Food bis zur Achtsamkeits-App, über Hartmut Rosas Begriff der Resonanz als Antwortverhältnis – abgegrenzt gegen Tania Singers Schmerzresonanz –, über die vier Bedingungen des Gelingens am Esstisch und die Unverfügbarkeit als jene Pointe, die rückwirkend alle vier Versprechen entlarvt: als Versuche, das Unverfügbare verfügbar zu machen. Und über eine Wahrheit, die keinen Trost verkauft und trotzdem tröstet: Das Wichtigste im Leben lässt sich nicht bestellen. Teil 4 und Finale der Reihe „Besser leben“.
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