Die Spritze der Sehnsucht: Was es über uns sagt, dass wir chemisch lösen, was wir kulturell nicht aushalten
Eine Frau mit zwanzig Jahren Diätgeschichte sagt: „Zum ersten Mal ist der Lärm weg – und ich frage mich, ob ich mir das alles nur eingebildet habe.“ Wenn ein Hormon in einer Woche stilllegt, wogegen zwei Jahrzehnte Disziplin nichts ausrichteten, dann war es nie eine Frage der Tugend. Die Abnehmspritze ist kein Verrat an der Anti-Diät-Idee und keine Erlösung, sondern ihr unfreiwilliger Wahrheitsbeweis. Über die Verschiebung der Moral, die Sehnsucht unter dem Hunger, Foucaults Biomacht und Byung-Chul Hans Müdigkeitsgesellschaft – und über eine Gesellschaft, die ihren Mitgliedern lieber ein Hormon reicht als einen Tisch. Ein Seitenblick der Reihe „Besser leben“.
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