Der Adonis-Komplex: Männer, Muskeln und die weichen Gefühle
Tobias, Ende zwanzig, kommt nicht, weil er meint, ein Problem mit dem Essen zu haben. Er kommt wegen „Optimierung“: Er trackt seit vier Jahren so gut wie jede Mahlzeit, trainiert fünfmal die Woche und sagt dann einen Satz, der im doppelten Sinn zu verstehen ist: „Ich will einfach nicht mehr so weich sein.“ Er meint seinen Bauch zu meinen. Was bei einer jungen Frau früher oder später alle Alarmglocken auslösen würde – Essen wiegen, Termine nach Mahlzeiten planen, Angst vor dem Kontrollverlust –, gilt bei einem jungen Mann vielen als Disziplin. Das männliche (Körper-)Ideal ist die wenig beachtete zweite Diätkultur: Sie heißt nur nicht Diät, sondern Cut, nicht Hungern, sondern Definitionsphase. Über ein Buch, das vor 26 Jahren den Begriff „Adonis-Komplex“ prägte und heute wie eine Vorhersage klingt; über Actionfiguren mit unmöglichen Armen und ein Wettrüsten, dessen Publikum weniger die Frauen sind, als Männer glauben; über die Frage, die dieser Blog 2021 gestellt hat und auf die der Markt geantwortet hat – mit Protein. Und über das, was der Körper ausdrücken muss, wenn Gefühle nicht erlaubt sind.
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