Selbsttest zum Abnehmen

Selbsttest zum Abnehmen

Selbsttest – 5 Fragen zu Selbsteinschätzung

Die Idee zum heutigen Blogbeitrag kam mir als ich über folgendes Problem nachdachte: Häufig kommen Menschen zu mir in die Ernährungsberatung und -therapie, die ihr Gewicht reduzieren wollen. Für viele Menschen ist das Ziel weiter abzunehmen jedoch {genetisch} überhaupt nicht realisierbar. Zumindest nicht auf eine gesundheitsförderliche und nachhaltige Art und Weise. Die Folge ist Enttäuschung. Qualifizierte Ernährungsberater*innen haben dann die undankbare Aufgabe den Kient*innen klar zu machen, dass ihre angestrebte Idealfigur außer Reichweite liegt. Das ist frustrierend für beide Seiten. Daraus ist die Idee entstanden, einen Selbsttest zu entwickeln. Was wäre, wenn eine Möglichkeit bestünde, zumindest Pi mal Daumen festzustellen, ob eine Veränderung von Gewohnheiten zum Abnehmen überhaupt realistisch ist?

Ernährungsphilosophische Vorbemerkung

Seit der Idee zu diesem Blogbeitrag habe ich auch immer wieder am Sinn meines Unterfangens gezweifelt. Interessiert es überhaupt eine*n Abnehmwillige*n festzustellen, dass ein Selbsttest sagt, dass Abnehmen unrealistisch sei? – Vermutlich nicht. Wird dieser Beitrag einfach untergehen in einer Vielfalt an motivierend anmutenden Abnehmversprechen? – Vermutlich ja. Ist dieser Beitrag lediglich eine unterkomplexe Betrachtung von Körper, Ernährung und Bewegung. Definitiv.

Kann dieser Selbsttest Menschen helfen, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen besser einzuschätzen? – Ich denke schon. 

Ein Selbsttest ist stets unterkomplex

Betrachtet man zum Beispiel den Essay von Senta Brandt zur Fragestellung „Essen oder nicht essen?“ wird deutlich, dass die wichtigen Fragen im heutigen Beitrag nicht angekratzt werden. Beim Themenkomplex „Essen, Körper und Psyche“ muss unbedingt nach Identität und Weltanschauung gefragt werden, wenn man das Individuum wirklich verstehen möchte. Doch diesen hohen Anspruch hat der Selbsttest gar nicht. Der Ausgangspunkt ist mein Wunsch, Orientierung zu schaffen und Fragen zu beantworten, wie:

Sollte ich zur Ernährungsberatung/-therapie gehen? Und wenn ja, mit welchen Erwartungen gehe ich diesen Schritt?

Wer kann gesundheitsförderlich abnehmen?

Wer behauptet, dass es keine Menschen gibt, für die Abnehmen gesundheitsförderlich wäre, erzählt Blödsinn. Diejenigen hingegen, die behaupten, dass sie ein garantiert für alle wirksames Rezept zum (nachhaltigen) Abnehmen entwickelt hätten, lügen oder haben ein dickes Brett vor dem Kopf. Somit bewegen wir uns zwischen zwei Extremen. Das Problem ist, dass Body-Mass-Index oder äußerlich sichtbare Körperform keinen Aufschluss darüber geben, ob Abnehmen möglich oder sogar sinnvoll ist. Ob eine Gewichtsreduktion im Bereich des Möglichen liegt, ist individuell höchst unterschiedlich und meistens ziemlich komplex.

Selbsttest – Ernährung und Bewegung

Die Komplexität aus genetischen, psychologischen, sozialen und einer Vielzahl anderer Faktoren, die Einfluss nehmen beim Thema Abnehmen wird oftmals auch in der Fachwelt vernachlässigt. Sie wird meist auf zwei Faktoren herunter gebrochen. Die zwei altbekannten Begleiter*innen, die einem beim Themenkomplex „Abnehmen und Gewichtsreduktion“ immer wieder über den Weg laufen, sind Ernährung und Bewegung. Angeblich können mit einer energiereduzierten Ernährung und energieaufwendigerem Bewegungsverhalten die Pfunde zum Purzeln veranlasst werden. Diese beiden Wegbegleiter*innen sind bei Weitem nicht die einzigen Einflussfaktoren auf das Körpergewicht. Aber sie spielen eine Rolle. Deswegen dürfen sie in unserem Selbsttest auch nicht fehlen. 

Ernährung

Beim Thema Ernährung erwarten viele jetzt vermutlich eine äußerst komplexe Auflistung. Allerdings haben, lässt man ökologische und soziale Aspekte außen vor, lediglich folgende vier Prinzipien seit Hippokrates immer noch Bestand (Nur leicht verändert übernommen aus „Gesunde Lebensführung – kritische Analyse eines populären Konzepts“ (2011) – Kapitel „Ernährung und Diätetik“ – Barbara Methfessel und Kirsten Schlegel-Matthies): 

  • Nahrungsmittel so gering und schonend wie möglich und so viel wie notwendig bearbeiten bzw. gering verarbeitete Nahrungsmittel bevorzugen.
  • Auf ein insgesamt ausgewogenes Verhältnis von Bedarf (auch durch Lebensstil bestimmt) und Zufuhr achten (d. h. heutzutage auch: Nahrungsmittel mit geringer Energiedichte und relativ hohem Nährstoffanteil bevorzugen).
  • Essen sollte schmackhaft zubereitet sein und mit Genuss verzehrt werden.
  • Die große Vielfalt der Nahrungsmittel nutzen, einseitige Ernährung vermeiden – pflanzliche Nahrungsmittel bevorzugen. 

Selbsttest – Emotionales Essen

Die individuelle Gleichung zum Themenkomplex „Abnehmen und Gewichtsreduktion“ lässt sich weder in einem Blogbeitrag noch mit einem Selbsttest lösen. Wir können nur eine Annäherung bieten. Dennoch werden wir es in unserem Selbsttest so simpel wie möglich halten. Dabei stellen wir uns im Selbsttest die Frage, wie oft wir aus emotionalen anstatt aus physiologischen Gründen essen. Denn aus physischen anstatt von emotionalen Gründen zu essen, kann einen Unterschied in Sachen Gewichtsregulation machen. Sich selbst so gut kennenzulernen, dass emotionaler und physiologischer Hunger präzise voneinander unterscheiden werden können, ist eine große Herausforderung. Insbesondere für Menschen mit langjährigen Diäterfahrungen. 

Hier kann eine qualifizierte Ernährungstherapie/Ernährungsberatung ebenfalls helfen. 

Bewegung

Beim Bewegen können wir zwischen Alltagsaktivität und Sport unterscheiden. Beim Sport wird ein Unterschied zwischen aeroben und anaeroben Tätigkeiten gemacht. Bei aeroben Sportarten wie Laufen, Schwimmen, Radfahren und Co. verwendet der Körper seine Energiereserven deutlich effizienter als bei anaeroben Tätigkeiten wie Gewichtheben. Dementsprechend „verbrennt“ Ausdauersport deutlich mehr Energie. Die offiziellen Empfehlungen der World Health Organisation (WHO) beträgt 2,5 Stunden aerobe Aktivität pro Woche. Zudem sollten laut dieser Empfehlung zwei Krasftsporteinheiten auf dem Wochenplan stehen. Mindestens genauso wichtig ist jedoch, dass der Sport grundsätzlich Freude bereitet. Genauso, wie Genuss beim Essen eine wichtige Komponente darstellt.

Einstellung zum eigenen Körper

Die Einstellung zum eigenen Körper spiegelt sich im gewissen Sinne bereits im Ernährungs- und Bewegungsverhalten wider. Wer seinen Körper und dessen Grenzen respektiert, hört immer wieder in sich hinein. Dadurch ist die getroffene Entscheidung situativ unterschiedlich. Das eine Mal rafft man sich vielleicht zum Sport auf, das nächste Mal entscheidet man sich bewusst für eine Ruhepause. Hier gibt es kein klares „Richtig oder Falsch“. Seinen Körper zu respektieren, geht normalerweise mit viel Bewegung und genussvollem, gesundheitsförderlichen Essverhalten einher. Aber sicherlich nicht damit, sich und seinen Körper wie eine gefühllose Maschine zu behandeln. 

Selbsttest – Abschließende Gedanken

Im heutigen Selbsttest geht es nicht um das Finden einer abschließenden Lösung. Es geht um die Frage, in welche Richtung die persönliche Arbeit gehen könnte. Versuche ich tatsächlich an meinen Gewohnheiten {im Bereich Ernährung und Bewegung} zu arbeiten oder ist es sinnvoller meine hohen Ansprüche an mich und meinen Körper zu hinterfragen? Dabei kann ein Selbsttest nur Hinweise liefern. Wenn du in den meisten oder allen Kategorien nahe an der minimalen oder maximalen Punktzahl kratzt, wäre es sinnvoll dir eine professionelle Unterstützung zu holen. 

Der Weg zu einer qualifizierten Ernährungsberatung oder einer anderen psychosozialen Beratungsstelle kann hier äußerst hilfreich sein. Denn Verhaltensänderungen benötigen viel Zeit und eine verlässliche Unterstützung.

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Selbsttest zum Abnehmen